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  • Anti-Copyright in künstlerischen Subkulturen
    Shirts ausgestellt Nicht zu sehen sind auf diesem Foto sind andere Medien wie VHS Video und Audiocassetten die auf dem Festival eingesetzt wurden Alle Medien und Techniken also sind analog Interessanterweise werden auch Computer nur zur Produktion analoger Schrift und Bildträger eingesetzt zum Beispiel für den Schriftsatz der SMILE Ausgabe Die unbegrenzte Kopier und Plagiierbarkeit von digitaler Information wird von keinem der Beteiligten reflektiert Abb 9 PhotoStatic Nr 29 mit Retrofuturism Nr 1 Abb 10 PhotoStatic Nr 34 mit Retrofuturism Nr 2 Durch den Galerieraum und den Einsatz von Medien situiert sich das Festival unzweideutig in der bildenden Kunst Andererseits aber sind die Medien und technischen Werkzeuge geradezu emblematisch für Subkultur und nichtprofessionellen Kunstbetrieb Der Xerox Kopierer ist das Vervielfältigungsinstrument der Fanzine Kultur Collagen und Fotokopien sind die Hauptmedien der Mail Art vgl urb91 die in den 1960er Jahren aus Ray Johnsons New York Correspondance School hervorgeht und in der sich an Dada und Fluxus orientierte Amateurkünstler vernetzen Parallel zur Mail Art entsteht in den 1980er Jahren eine Kultur von selbstproduzierter z T experimenteller Popmusik auf Audiocassetten Plattenläden wie Staalplaat und Medienkunstorganisationen wie V2 haben hier ihre Wurzeln Nicht nur die Festivals of Plagiarism sondern auch die seminalen Anticopyright Publikationen aus ihrem Umfeld bedienten sich dieser Ästhetik Die amerikanische Kleinzeitschrift PhotoStatic Retrofuturism Abb 2 5 und 2 6 wurde zum internationalen Forum der Plagiarism Kampagne und baute sie zu einem partiell auch theoretisch anspruchsvollen Diskurs aus Typischerweise lagen die Wurzeln von PhotoStatic ebenfalls in Mail Art und Copy Art 1988 in seiner neunundzwanzigsten Ausgabe erhielt es das Supplement Retrofuturism einer Mini Zeitschrift in der Zeitschrift als deren Herausgeber die Plunderphonics Band Tape beatles firmierte und der Mutterzeitschrift die Plagiarism Kampagne injizierte Zunächst nahm Retrofuturism das untere Viertel aller Heftseiten ein Später wuchs Retrofuturism über die Hälfte der Seiten hinaus und verschmolz schließlich mit PhotoStatic zu einer Zeitschrift die neben VAGUE und SMILE maßgeblich zur erneuten Rezeption situationistischer Schriften in künstlerischen Subkulturen beitrug im Gegensatz zu seinen britischen Pendants aber nicht an einer corporate identity interessiert war sondern daran möglichst viele Stimmen der plagiarism Debatte zu sammeln und wiederzugeben Den Herausgebern kam zugute daß selbstpublizierte Zines im Nordamerika der späten 1980er und frühen 1990er Jahre ein subkulturelles Massenphänomen waren und vor der Popularisierung des Internet eine außerordentlich starke Netzkultur kreierten Um 1990 rezensierte das Meta Zine Factsheet Five pro Ausgabe über 1300 Zines 7 Dank dieser Netzkultur konnten SMILE VAGUE PhotoStatic Retrofuturism und die Festivals of Plagiarism ihren Diskurs vor allem in die Mail Art tragen und deren Protagonisten durch Verunsicherung für sich einnehmen Seit den späten 1960er Jahren beruht die Kommunikation des Mail Art Netzwerks auf einem humanistischen Ethos dem zumindest nominellen Glauben an an eine demokratische Kunst an der jeder als Künstler partizipieren könne Der amerikanische Anarchist Bob Black wendet dagegen ein daß die Mail Art sich zum Kunstbetrieb verhalte wie die Paralympics zu den olympischen Spielen Ihr System sei nicht egalitär sondern belohne lediglich nach anderen Maßstäben So beruhe das heimliche Starsystem der Mail Art wie in Vereinskulturen nicht auf Qualität sondern Quantität und Kontinuität von Beiträgen Abb 11 Xexoxial Endarchy Plagiarized Books Madison Wisconsin ca 1988 Sichtet man Archive und Anthologien der Mail Art so stellt man in der Tat fest daß ihr Gros sich im epigonalen Imitieren von Fluxus und Konzeptkunst erschöpft diese Epigonalität aber nicht eingesteht und deshalb auch nicht als künstlerische Strategie zu deklarieren weiß So konnten die Festivals of Plagiarism SMILE VAGUE und PhotoStatic Retrofuturism mit ihren Aufrufen zum Plagiat und zu einem Kunststreik von 1990 bis 199 die Mail Art mit unbequemen Fragen konfrontieren Umgekehrt galt jedoch auch Die Plagiats Kampagnen benötigten eine Ästhetik und waren da sie den Kunstbetrieb anvisierten auf künstlerische Mitstreiter angewiesen Die Mail Art Künstler standen hierfür bereit und ihre Ästhetik vereinnahmte die Festivals of Plagiarism Zwei Druckschriften die das amerikanische Künstlerduo Xexoxial Endarchy Liz Was und Miekal And 1988 für das erste Festival of Plagiarism herstellte veranschaulichen diese Problematik Abb 2 7 Die erste Schrift ist ein falsches Lewis Carroll Buch die zweite ein gefälschter Maya Codex als vorgeblich ältestes Manifest künstlerischen Plagiatorentums Bereits die fotokopierten Einbänden lassen keinen Zweifel daß es sich hier nicht um ambitionierte Fälschungen sondern typische unschwer identifizierbare Mail Art handelt obwohl selbst mit den beschränkten technischen Mitteln der Xerographie der Eindruck einer Raubkopie eines verschollenen oder unter Verschluß gehaltenen Manuskripts leicht herzustellen gewesen wäre Abb 12 The Plagiarist Codex Abb 13 Lewis Carroll Innuendo Ein Blick in den vermeintlichen Maya Codex Abb 2 8 räumt letzte Zweifel an der Fabriziertheit des Dokuments so denn es sie noch gab endgültig aus Text und Typographie geben sich auch in der Carroll Pseudoepigraphie Abb 2 9 nicht einmal den Anschein einer Simulation Die bündigste Kritik dieser Ästhetik wurde 1989 und 1993 in zwei anonymen Pamphleten aus Baltimore formuliert Auf dem Flugblatt History Begins Where Life Ends heißt es Es ist unerheblich daß die Festivals of Plagiarism in erster Linie Kunstausstellungen für Collagen Copy Art Malerei und ähnliche banale Bildformen waren Es auch unerheblich daß Festivals of Recycling der treffendere Titel gewesen wäre Ins Gewicht fällt daß indem das oft sogar unkritische Wiederverwenden und Modifizieren von vorgefundenem Material Plagiieren genannt wurde sich Leute mit gewöhnlichen Kunsthochschul Arbeiten einen radikalen Anstrich geben konnten Hätten man diese Wiederverwendung von Material einfach Recycling genannt dann hätten die Festivals eher wie Produkte alter Hippie Sozialdemokraten ausgesehen und sich nicht halb so gut verkauft 8 Seite aus SMILE Individually Collectively Realized and Abandoned Baltimore o J o P Das zweite Pamphlet erscheint in einer SMILE Ausgabe die das Titelfoto der Glasgower SMILE parodiert und dieses Plagiat des Plagiats wiederum dem Original von George Brecht zuschreibt Abb 2 2 Aus der Sicht eines Teilnehmers wird das erste Londoner Festival of Plagiarism kritisiert Eine ostinaten Kritik von geistigem Eigentum und Originalität wurde von Gruppen Events flankiert deren Teilnehmer mit dieser Polemik zumeist nicht explizit einverstanden waren Viele wollten einfach ihre Ästhetik und vage politischen Kunstwerke ausstellen und nahmen das Festival als passende Gelegenheit dafür wahr Dabei warf das Konzept allgemeinere Machtfragen auch auf

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diese Anleihen Abb 2 2 Die Schlagzeile Demolish Serious Culture plagiiert ein Spruchband des Fluxus Künstler Henry Flynt der damit 1964 gegen ein Stockhausen Konzert im New Yorker Lincoln Center demonstriert Tatsächlich enthält das SMILE Heft ein Interview mit Flynt Das Titelfoto plagiiert Drip Music eine frühe minimalistische Performance des Fluxus Künstlers George Brecht Abb 2 3 Hierzu passend wurden für den sechsten Tag des Glasgower Festivals plagiierte Fluxus Aktionen angekündigt Genau diese plagiatorischen Bezugnahmen auf selbst marginale Kunstformen aber erwiesen sich als problematisch für ein Projekt das mit seiner Plagiats Rhetorik den etablierten Kunstbetrieb herausfordern und das Verständnis von Kunst hinterfragen wollte 0000 4 00dd0 000000000000 P L d41P L4 j01 aaaaa j 000 0000 dP0000000 0000000001 J P0a 4Pj d01 140000 P j 000 0000 P0 0L0L 1a00400000 j J j0 10L000010 d0000 0000 j 400 Jdj P0d00j a 4 j 00000011 00000 0000 aa 40d0j4 4 0a000 4 j P40P4j j 0000 0000 a00000a 01L4 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institutionellen und medialen Bedingungen des Plagiatorentums das auf den Festivals of Plagiarism praktiziert wurde sind dem Foto auf der rechten Seite des Festival Berichts in New Observations ablesbar Abb 2 4 Der Ort ist eine alternative Galerie die Maschine im Vordergrund ein Fotokopierer neben fotokopierten Pamphleten sind eingerahmte Collagen und selbstbedruckte T Shirts ausgestellt Nicht zu sehen sind auf diesem Foto sind andere Medien wie VHS Video und Audiocassetten die auf dem Festival eingesetzt wurden Alle Medien und Techniken also sind analog Interessanterweise werden auch Computer nur zur Produktion analoger Schrift und Bildträger eingesetzt zum Beispiel für den Schriftsatz der SMILE Ausgabe Die unbegrenzte Kopier und Plagiierbarkeit von digitaler Information wird von keinem der Beteiligten reflektiert 0 j 0 a a a aaaaaaaaa a a 9 j 0 j Jl j 1 J j 0 j 1 i 1 j d sJ v aa j 0 j J 1 j 0 j T a a 1 aa j 0 aaaa jaaaaaaaaj yP 9 4ymx s j1 a 9 a j 0 aP 9L j1 j 09 A 1 j1 P j 0 P9aaaaa 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und 2 6 wurde zum internationalen Forum der Plagiarism Kampagne und baute sie zu einem partiell auch theoretisch anspruchsvollen Diskurs aus Typischerweise lagen die Wurzeln von PhotoStatic ebenfalls in Mail Art und Copy Art 1988 in seiner neunundzwanzigsten Ausgabe erhielt es das Supplement Retrofuturism einer Mini Zeitschrift in der Zeitschrift als deren Herausgeber die Plunderphonics Band Tape beatles firmierte und der Mutterzeitschrift die Plagiarism Kampagne injizierte Zunächst nahm Retrofuturism das untere Viertel aller Heftseiten ein Später wuchs Retrofuturism über die Hälfte der Seiten hinaus und verschmolz schließlich mit PhotoStatic zu einer Zeitschrift die neben VAGUE und SMILE maßgeblich zur erneuten Rezeption situationistischer Schriften in künstlerischen Subkulturen beitrug im Gegensatz zu seinen britischen Pendants aber nicht an einer corporate identity interessiert war sondern daran möglichst viele Stimmen der plagiarism Debatte zu sammeln und wiederzugeben Den Herausgebern kam zugute daß selbstpublizierte Zines im Nordamerika der späten 1980er und frühen 1990er Jahre ein subkulturelles Massenphänomen waren und vor der Popularisierung des Internet eine außerordentlich starke Netzkultur kreierten Um 1990 rezensierte das Meta Zine Factsheet Five pro Ausgabe über 1300 Zines 7 Dank dieser Netzkultur konnten SMILE VAGUE PhotoStatic Retrofuturism und die Festivals of Plagiarism ihren Diskurs vor allem in die Mail Art tragen und deren Protagonisten durch Verunsicherung für sich einnehmen Seit den späten 1960er Jahren beruht die Kommunikation des Mail Art Netzwerks auf einem humanistischen Ethos dem zumindest nominellen Glauben an an eine demokratische Kunst an der jeder als Künstler partizipieren könne Der amerikanische Anarchist Bob Black wendet dagegen ein daß die Mail Art sich zum Kunstbetrieb verhalte wie die Paralympics zu den olympischen Spielen Ihr System sei nicht egalitär sondern belohne lediglich nach anderen Maßstäben So beruhe das heimliche Starsystem der Mail Art wie in Vereinskulturen nicht auf Qualität sondern Quantität und Kontinuität von Beiträgen 0La a d 00d0P0L01 1 J1 j 000aa aa P 000PJ j jad001 d 0P N a d d jL d0L a P 4 j 01 0L dP L 4a aa j j 00L L a L a 4 aa aa aa 1 1 4 j 000P J 0 4a a dL 4aa 0P4aa aad0 aa j 0P 40 40 40 40 40 40 j0 j a0 4P 40 d j0 0 4L0 j 00 0 j j 0 j 0 j 01 j1 j j0 j j0 j J j 00 a d0 dL 01 0 0 aad0 aa dL d0a 4a j aaaP 0j 00JjL a a 4L0 40L 0 4 j 00 J 0 0L d1 1 j0 a 9 0 9 LdJ 0jL 1 L 00 0P 9 a a a 0 J 0 04 00a jL01 d1 0 0 40 0 0d 01 d P P1 01 j 01 P 00 aL 0P j 01 i aJ a a4 0 j1j1 j Ld aLa Pd a L 4L da d a j j 000j L P4 aaaa0adP a a d0 a g aLa1 Pj 000 a d Na000 0 00000Ld00Waaadaad000a 1 j W L 4j 0L j00 d0000000000000P04 0 00 00 00L0L a j L L a j 00 L a Ja40L0000000000L000000 J0 000j0P0LPad0LaL a0 4 0L j1 j 1 0 4P j 0400000P400000LP 400Ld000000 L0P0P00000004 aaa j 0La 000L00000 d040000000000004d00000L000400001 dP d 0L0 aa aa PP N 0LaJ Pad 0000000000 00000000000000j d0 0000 0a d1 a100 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bis 199 die Mail Art mit unbequemen Fragen konfrontieren Umgekehrt galt jedoch auch Die Plagiats Kampagnen benötigten eine Ästhetik und waren da sie den Kunstbetrieb anvisierten auf künstlerische Mitstreiter angewiesen Die Mail Art Künstler standen hierfür bereit und ihre Ästhetik vereinnahmte die Festivals of Plagiarism Zwei Druckschriften die das amerikanische Künstlerduo Xexoxial Endarchy Liz Was und Miekal And 1988 für das erste Festival of Plagiarism herstellte veranschaulichen diese Problematik Abb 2 7 Die erste Schrift ist ein falsches Lewis Carroll Buch die zweite ein gefälschter Maya Codex als vorgeblich ältestes Manifest künstlerischen Plagiatorentums Bereits die fotokopierten Einbänden lassen keinen Zweifel daß es sich hier nicht um ambitionierte Fälschungen sondern typische unschwer identifizierbare Mail Art handelt obwohl selbst mit den beschränkten technischen Mitteln der Xerographie der Eindruck einer Raubkopie eines verschollenen oder unter Verschluß gehaltenen Manuskripts leicht herzustellen gewesen wäre 1 j 1 d 1 a 4 1 a a 1 aa a a lj j 1 L W L WW LaLd WLaL W a L L l L J j 1 j 1 j 1 j 1 a j 1 j9 bm nd W W j 1 aJ Qyaa L j 1 4 j j 1 jLaaa j Jl j 1 W a 4L L 1 j 1 La W j 1 aaa aW j 1 j 1 j 1 j 1 j 1 d a a a l LJa a a j 1 P 4 f jlJ dj 1 l 1j Ll j aP j 1 j LaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaJ Abb 12 Seite aus The Plagiarist Codex 0000000000000000000000000000000000000000j 0 j 0 aaaa j 0 a 1jL Pa j 0 aadjWL4 1JYP4 j 0 aa 04404j 100j1L0 JL d P 4 y0a La j 0 0 00dd j 40 jL4 LJ dad00000 j 0 40L00a0jaL dLda 4 0400P j 0 00L j 0 j 0 j 0 j 0 4 j 0 j 0 j 0 J 0 1 aF j 0 j 0 j j 0 1jj 1j 1Lj j 0 j 0 j aJL j 0 j 14g d La1d j 0 j 0 aaa a j 0 d 1d 4 9 j 0 j 0000000000000000000000000000000000000000j Abb 13 Seite aus Lewis Carroll Innuendo Ein Blick in den vermeintlichen Maya Codex Abb 2 8 räumt letzte Zweifel an der Fabriziertheit des Dokuments so denn es sie noch gab endgültig aus Text und Typographie geben sich auch in der Carroll Pseudoepigraphie Abb 2 9 nicht einmal den Anschein einer Simulation Die bündigste Kritik dieser Ästhetik wurde 1989 und 1993 in zwei anonymen Pamphleten aus Baltimore formuliert Auf dem Flugblatt History Begins Where Life Ends heißt es Es ist unerheblich daß die Festivals of Plagiarism in erster Linie Kunstausstellungen für Collagen Copy Art Malerei und ähnliche banale Bildformen waren Es auch unerheblich daß Festivals of Recycling der treffendere Titel gewesen wäre Ins Gewicht fällt daß indem das oft sogar unkritische Wiederverwenden und Modifizieren von vorgefundenem Material Plagiieren genannt wurde sich Leute mit gewöhnlichen Kunsthochschul Arbeiten einen radikalen Anstrich geben konnten Hätten man diese Wiederverwendung von Material einfach Recycling genannt dann hätten die Festivals eher wie Produkte alter Hippie Sozialdemokraten ausgesehen und sich nicht halb so gut verkauft 8 0 j 0 a0 aa j 0 d0W d 0y j 0 d0 0 a j 0 4 dNa 0 j 0 N 0La0aa j 0 L d00000000La j 0 d4W000000000000 j 0 j 0000000000000 j 0 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George Brecht zuschreibt Abb 2 2 Aus der Sicht eines Teilnehmers wird das erste Londoner Festival of Plagiarism kritisiert Eine ostinaten Kritik von geistigem Eigentum und Originalität wurde von Gruppen Events flankiert deren Teilnehmer mit dieser Polemik zumeist nicht explizit einverstanden waren Viele wollten einfach ihre Ästhetik und vage politischen Kunstwerke ausstellen und nahmen das Festival als passende Gelegenheit dafür wahr Dabei warf das Konzept allgemeinere Machtfragen auch auf der organisatorischen Ebene des Festivals auf Sehr offensichtlich hatten Aktivisten Sprachregelungen vorgegeben und damit die Veranstaltungen und den Diskurs programmatisch vorbelastet Zugleich gab es erhebliche Meinungsverschiedenheiten darüber was eigentlich das Konzept sei 9 Die Kritik mündet in einem Aufruf zu einem Festival of Censorship Eine Freiheit des Plagiierens gäbe es nur dann wenn auch die Monopole auf Zensur abgeschafft seien Zensieren sei zudem populistischer als Plagiieren weil die Zensur im Gegensatz zum Plagiat keine Kenntnis guter Quellen voraussetze Tatsächlich ist die Dualität von Plagiat und Zensur nicht nur zeichentheoretisch begründbar Jede plagiatorische Selektion und Verdoppelung eines Zeichens impliziert nolens volens eine Entscheidung gegen ein anderes Zeichen Auch

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    2001 16 50 10K 08 fuller anticopyright jpg 09 Aug 2001 16 50 8 8K 09 new observ pawson jpg 09 Aug 2001 16 50 16K 10 photostatic 29 jpg 09 Aug 2001 16 50 16K 11 photostatic 34 jpg 09 Aug 2001 16 50 9 9K 12 xexoxial cover jpg 09 Aug 2001 16 50 25K 13 xexoxial maya jpg 09 Aug 2001 16 50 13K 14 xexoxial carroll

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    rekursion programmiersprachen lyrik txt 21 Sep 2005 23 57 35K ascii art rekursion programmiersprachen lyrik tex 21 Sep 2005 23 57 38K ascii art rekursion programmiersprachen lyrik rtf 21 Sep 2005 23 57 53K ascii art rekursion programmiersprachen lyrik pdf

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    noch für Computerkenner lesbar In einem Gedicht des amerikanischen Essayisten Alan Sondheim bedichtet sich das Textbearbeitungsprogramm mit dem es geschrieben wurde die unter Unix und Linux verbreitete Minimalsoftware vi selbst vi vi vi vi visor vi vithe cursor pauses cursor moves here cursor makes a path cursor says vii m here cursor wanders makes a path cursor says this is my field vicursor says this is my forest my mountain crag my rocky stream cur visor meanders makes a path cursor was here cursor paused here cursor viwas lost here here the words were saved here they moved again cursor vileft and returned cursor left and paused here cursor left here cur visor paused mounty crags rocky streams twisty paths cursor pauses vihere vi vi vi vi vi Die Typographie des Texts entspricht dem Bildschirmfenster von vi und seine Wörter beschreiben die Operationen der Texteingabe die Bewegungen der Textmarke die mit zum Schreiber spricht zwischendurch auch die Sicherung der Datei Da das Gedicht einen Schreibakt inszeniert der sich im Moment seines Geschehens schon selbst beschreibt konstruiert er etwas unmögliches und erweist sich als dichterische Simulation Auch Sondheims Text zeigt unterschlagenen Code auf jenen Text nämlich den jeder Computerschreiber eintippt ohne daß er in der Schrift erschiene und wie die ASCII Art ästhetisiert er den Steuercode zu avantgardistischer Poesie Rekursion Die Eigenschaft digitaler Daten mindestens doppelt lesbar zu sein als Steuercode und als formatierte Repräsentation 10 macht sich die experimentelle Netzkunst zu Nutze indem sie beide Zeichenebenen miteinander kontaminiert rückkoppelt und verschleift Ein Prozeß der sich selbst aufruft indem er seinen Output wieder in den Input speist ist computerwissenschaftlich gesprochen eine Rekursion Rekursiv ist zum Beispiel die Erzählung des chinesischen Philosophen Chuang Tzu der träumt ein Schmetterling zu sein und nach dem Aufwachen nicht mehr weiß ob er ein Schmetterling ist der träumt Chuang Tzu zu sein 11 rekursiv ist auch das Frametale aus John Barths Lost in the Funhouse ein Möbiusband mit dem Satz ONCE UPON A TIME THERE WAS A STORY THAT BEGAN rekursiv ist schließlich das Lied vom Mops in der Küche das Becketts Warten auf Godot zitiert 12 Douglas R Hofstadter weist Rekursionen unter anderem in Bachs Fugen nach 13 das modifizierte Kreter Paradox Dieser Satz ist eine Lüge ist eine logische Rekursion Trotz der Gefahr des regressus ad infinitum der Schleife ohne Ausgang ist Rekursion ist eine zulässige und verbreitete Methode in der Computerprogrammierung Ein Abschnitt eines Programms der z B ein vorgegebenes Wort um ein Fragezeichen ergänzt schließt mit einem Aufruf seiner selbst und durchläuft sich so oft bis eine bestimmte Abbruchbedingung z B drei angehängte Fragezeichen erfüllt ist Als intellektuelles Spiel waren Rekursionen besonders unter den Systemprogrammierern am Artificial Intelligence Lab des MIT beliebt die in den frühen 1970er Jahren eines der ersten Netzwerkbetriebssysteme schrieben und für sich das Wort Hacker erfanden 14 MIT Hacker übertrugen rekursive Schleifen von Programmiersprachen auf die Umgangssprache indem sie rekursive Akronyme für ihre Programme erfanden Das Textbearbeitungsprogramm EINE das als Alternative zum auf Unix Computern verbreiteten Textprogramm Emacs entworfen wurde ist eine Abkürzung von EINE Is Not Emacs 15 Da die das Akronym sich in seiner Auflösung wieder selbst enthält schreibt es sich unendlich fort EINE EINE Is Not Emacs EINE Is Not Emacs Is Not Emacs EINE Is Not Emacs Is Not Emacs Is Not Emacs Der Nachfolger von EINE ZWEI steht für ZWEI Was EINE Initially Seine Rekursion ist daher eine doppelte und führt zu noch komplexeren Textwucherungen ZWEI ZWEI Was EINE Initially ZWEI Was EINE Initially Was EINE Is Not Emacs Initially ZWEI Was EINE Initially Was EINE Is Not Emacs Initially Was EINE Is Not Emacs Is Not Emacs Initially Im Gegensatz zu den Erzähl Rekursionen von Beckett und John Barth verschleift sich im poetischen Spiel der rekursiven Akronyme das bloße Wort es wird zu einem Prozeß der sich selbst steuert und übersteuert Die Selbstausführbarkeit von digitalem Programmcode überträgt sich hier in die Umgangssprache das Wort wird zu einem sich selbst replizierenden Virus Darin gleichen rekursive Akronyme zwar älteren sprachkombinatorischen Dichtungsformen wie dem buchstabenwechselnden Anagramm und dem wortwechselnden Proteusvers 16 doch ist ihre Kombinatorik nicht nur scheinbar sondern auch faktisch unbegrenzt und katastrophisch Mit jedem Prozeßdurchlauf wächst der Text des rekursiven Akronyms exponentiell an und indem sich seine Selbstbeschreibungen immer komplexer verschachteln verkompliziert sich auch die Logik des Satzes Die perfekt geschlossene aber nicht minder selbstbezügliche Gegenform dieser katastrophischen Programmierung ist der sogenannte Quine ein Programm das eine Kopie seiner selbst erzeugt Sein Steuercode muß so geschrieben sein daß er sich seblst reproduziert 17 Gary P Thompsons Quine Page http www nyx net gthompso quine htm verzeichnet Quines in dutzenden Programmiersprachen wie BASIC C Java LISP Pascal und Perl Nichtprogrammierern am leichtesten verständlich ist ein Quine in der Programmiersprache BASIC 18 10 DATA B DATA CHR 34 20 DATA FOR J 10 TO 180 STEP 10 30 DATA READ A 40 DATA PRINT J B A 50 DATA IF J 90 THEN 170 60 DATA RESTORE 70 DATA B 80 DATA NEXT J 90 DATA END 100 B DATA CHR 34 110 FOR J 10 TO 180 STEP 10 120 READ A 130 PRINT J B A 140 IF J 90 THEN 170 150 RESTORE 160 B 170 NEXT J 180 END Die Zeilen 10 90 schreiben den Steuercode der Zeilen 100 180 in einen Speicher die Zeilen 100 180 drucken diesen Speicher in einem ersten Schritt so modifiziert aus daß er Zeile 10 90 wiedergibt und in einem zweiten Schritt ungefiltert so daß er Zeile 100 180 reproduziert Wird das Programm aufgerufen erzeugt es also wieder den oben abgedruckten Steuercode der wiederum als Programm gestartet werden kann und so weiter Iterative Quines verfeinern dieses Prinzip Ein Programm A erzeugt ein von ihm verschiedenes Programm B das ein weiteres Programm C erzeugt dessen Output wiederum Programm A ist Das Konzept sich selbst reproduzierender technischer Systeme geht auf John von Neumanns Automatentheorie von 1951 zurück doch schon Poetiken und Enzyklopädien sind rekursive Wissenssysteme die dem Leser die Instrumente zur Replikation ihrer selbst in die Hand

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  • und beide Zeichenebenen zu entziffern weiß Viele Textspiele mit der Selbstbezüglichkeit digitaler Codes führt zu Texten sind nur noch für Computerkenner lesbar In einem Gedicht des amerikanischen Essayisten Alan Sondheim bedichtet sich das Textbearbeitungsprogramm mit dem es geschrieben wurde die unter Unix und Linux verbreitete Minimalsoftware vi selbst vi vi vi vi visor vi vithe cursor pauses cursor moves here cursor makes a path cursor says vii m here cursor wanders makes a path cursor says this is my field vicursor says this is my forest my mountain crag my rocky stream cur visor meanders makes a path cursor was here cursor paused here cursor viwas lost here here the words were saved here they moved again cursor vileft and returned cursor left and paused here cursor left here cur visor paused mounty crags rocky streams twisty paths cursor pauses vihere vi vi vi vi vi Die Typographie des Texts entspricht dem Bildschirmfenster von vi und seine Wörter beschreiben die Operationen der Texteingabe die Bewegungen der Textmarke die mit zum Schreiber spricht zwischendurch auch die Sicherung der Datei Da das Gedicht einen Schreibakt inszeniert der sich im Moment seines Geschehens schon selbst beschreibt konstruiert er etwas unmögliches und erweist sich als dichterische Simulation Auch Sondheims Text zeigt unterschlagenen Code auf jenen Text nämlich den jeder Computerschreiber eintippt ohne daß er in der Schrift erschiene und wie die ASCII Art ästhetisiert er den Steuercode zu avantgardistischer Poesie Rekursion Die Eigenschaft digitaler Daten mindestens doppelt lesbar zu sein als Steuercode und als formatierte Repräsentation 10 macht sich die experimentelle Netzkunst zu Nutze indem sie beide Zeichenebenen miteinander kontaminiert rückkoppelt und verschleift Ein Prozeß der sich selbst aufruft indem er seinen Output wieder in den Input speist ist computerwissenschaftlich gesprochen eine Rekursion Rekursiv ist zum Beispiel die Erzählung des chinesischen Philosophen Chuang Tzu der träumt ein Schmetterling zu sein und nach dem Aufwachen nicht mehr weiß ob er ein Schmetterling ist der träumt Chuang Tzu zu sein 11 rekursiv ist auch das Frametale aus John Barths Lost in the Funhouse ein Möbiusband mit dem Satz ONCE UPON A TIME THERE WAS A STORY THAT BEGAN rekursiv ist schließlich das Lied vom Mops in der Küche das Becketts Warten auf Godot zitiert 12 Douglas R Hofstadter weist Rekursionen unter anderem in Bachs Fugen nach 13 das modifizierte Kreter Paradox Dieser Satz ist eine Lüge ist eine logische Rekursion Trotz der Gefahr des regressus ad infinitum der Schleife ohne Ausgang ist Rekursion ist eine zulässige und verbreitete Methode in der Computerprogrammierung Ein Abschnitt eines Programms der z B ein vorgegebenes Wort um ein Fragezeichen ergänzt schließt mit einem Aufruf seiner selbst und durchläuft sich so oft bis eine bestimmte Abbruchbedingung z B drei angehängte Fragezeichen erfüllt ist Als intellektuelles Spiel waren Rekursionen besonders unter den Systemprogrammierern am Artificial Intelligence Lab des MIT beliebt die in den frühen 1970er Jahren eines der ersten Netzwerkbetriebssysteme schrieben und für sich das Wort Hacker erfanden 14 MIT Hacker übertrugen rekursive Schleifen von Programmiersprachen auf die Umgangssprache indem sie rekursive Akronyme für ihre Programme erfanden Das Textbearbeitungsprogramm EINE das als Alternative zum auf Unix Computern verbreiteten Textprogramm Emacs entworfen wurde ist eine Abkürzung von EINE Is Not Emacs 15 Da die das Akronym sich in seiner Auflösung wieder selbst enthält schreibt es sich unendlich fort EINE EINE Is Not Emacs EINE Is Not Emacs Is Not Emacs Is Not Emacs Is Not Emacs Is Not Emacs Der Nachfolger von EINE ZWEI steht für ZWEI Was EINE Initially Seine Rekursion ist daher eine doppelte und führt zu noch komplexeren Textwucherungen ZWEI ZWEI Was EINE Initially ZWEI Was EINE Initially Was EINE Is Not Emacs Initially Was Initially Was Is Not Emacs Initially Was Is Not Emacs Is Not Emacs Initially Im Gegensatz zu den Erzähl Rekursionen von Beckett und John Barth verschleift sich im poetischen Spiel der rekursiven Akronyme das bloße Wort es wird zu einem Prozeß der sich selbst steuert und übersteuert Die Selbstausführbarkeit von digitalem Programmcode überträgt sich hier in die Umgangssprache das Wort wird zu einem sich selbst replizierenden Virus Darin gleichen rekursive Akronyme zwar älteren sprachkombinatorischen Dichtungsformen wie dem buchstabenwechselnden Anagramm und dem wortwechselnden Proteusvers 16 doch ist ihre Kombinatorik nicht nur scheinbar sondern auch faktisch unbegrenzt und katastrophisch Mit jedem Prozeßdurchlauf wächst der Text des rekursiven Akronyms exponentiell an und indem sich seine Selbstbeschreibungen immer komplexer verschachteln verkompliziert sich auch die Logik des Satzes Die perfekt geschlossene aber nicht minder selbstbezügliche Gegenform dieser katastrophischen Programmierung ist der sogenannte Quine ein Programm das eine Kopie seiner selbst erzeugt Sein Steuercode muß so geschrieben sein daß er sich seblst reproduziert 17 Gary P Thompsons Quine Page http www nyx net gthompso quine htm verzeichnet Quines in dutzenden Programmiersprachen wie BASIC C Java LISP Pascal und Perl Nichtprogrammierern am leichtesten verständlich ist ein Quine in der Programmiersprache BASIC 18 10 DATA B DATA CHR 34 20 DATA FOR J 10 TO 180 STEP 10 30 DATA READ A 40 DATA PRINT J B A 50 DATA IF J 90 THEN 170 150 RESTORE 160 B 170 NEXT J 180 END Die Zeilen 10 90 schreiben den Steuercode der Zeilen 100 180 in einen Speicher die Zeilen 100 180 drucken diesen Speicher in einem ersten Schritt so modifiziert aus daß er Zeile 10 90 wiedergibt und in einem zweiten Schritt ungefiltert so daß er Zeile 100 180 reproduziert Wird das Programm aufgerufen erzeugt es also wieder den oben abgedruckten Steuercode der wiederum als Programm gestartet werden kann und so weiter Iterative Quines verfeinern dieses Prinzip Ein Programm A erzeugt ein von ihm verschiedenes Programm B das ein weiteres Programm C erzeugt dessen Output wiederum Programm A ist Das Konzept sich selbst reproduzierender technischer Systeme geht auf John von Neumanns Automatentheorie von 1951 zurück doch schon Poetiken und Enzyklopädien sind rekursive Wissenssysteme die dem Leser die Instrumente zur Replikation ihrer selbst in die Hand geben 19 Selbstreplizierende Software wie die Quines aber auch Computerviren verbinden beide Aspekte sie übersetzen die Wissensrekursion der Enzyklopädien in Automatenprozesse und die selbstreplizierenden Automaten in Text

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  • und gefilterte Protokollschichten der Computernetze als subversives Zeichensystem begreift Hierin folgt die Netzkunst der Netz Subkultur jugendlicher Software Raubkopierer und Angreifer von Netzwerkrechnern die sich in einer eigenen teilweise durch Softwarefilter erzeugten ASCII Codesprache verständigen eine Sprache in der z B die respektvolle Bezeichnung eines Raubkopierers 7331 WAR3Z dOOd leet elite wares dood lautet Der ASCII Poesie der Absturzcodes geht es im Gegensatz zur klassischen Figurendichtung nicht um synthetische Konstruktion sondern um das analytische Auffinden Umcodieren und Wiedereinspeisen von Zeichenmaterial Das unterscheidet sie auch von den Konstellationen der konkreten Poesie mit denen sie ansonsten das Merkmal des visuell Amimetischen teilt und rückt sie in die Nähe dadaistischer und lettristischer Buchstabenmontagen Die ASCII Art gewinnt im Moment da sie von der Bild Mimesis zu einem rein selbstbezüglichen Spiel mit Computerzeichen wird an disruptiver Qualität indem sie die Differenz von Steuercode und Repräsentation wieder unkenntlich macht In einem Medium das wie das Internet selbst aus Code konstruiert ist sind ihre Störzeichen tatsächlich als technische Störung interpretierbar Ihre Absender potenzieren diesen Effekt dadurch daß sie ASCII Montagen wie unerwünschte Werbe E Mail massenhaft als Spam Art verschicken und auf Verteilerlisten wie 7 11 in Kreislauf perpetueller Recodierung speisen hier einsetzen jodi 01 tif Abbildung 1 Jodi Location eine Seite in der Browser Darstellung hier einsetzen jodi 02 tif Abbildung 2 Jodi Location Quellcode derselben Seite Ausschnitt Die Website des holländisch belgischen Duos Jodi http www jodi org wurde sogar zwangsweise vom Netz entfernt als Systemoperatoren ihre Störsimulationen für einen Virus hielten Seit Mitte der 1990er Jahre gehören Jodi zu den international bekanntesten zeitgenössischen Netzkünstlern Ihre Arbeit Location zeichnet beispielhaft die Schwelle von der bildmimetischen zur amimetisch disruptiven ASCII Art auf Was im Fenster des Webbrowser wie Störzeichen aussieht Abb 1 ist im Quellcode ein traditionelles ASCII Kitschbild eines Teddybärs Abb 2 Die Webbrowser Software selbst codiert ohne weitere Programmierung die Teddybären in ein nichtmimetisches Schriftbild um da sie die Zeilen des Typogramms neu umbricht und sein Raster damit auflöst Die ästhetischen Erwartungen an digitale Zeichen in der formatierten Repräsentation lesbar und im Quellcode unlesbar zu sein wird hier auf den Kopf gestellt Indem die Arbeit mit ihren sichtbaren und verborgenen Zeichen spielt verlangt sie einen wissenden und neugierigen Leser der den technischen Unterschied von Anzeige und Quellcode überhaupt kennt und beide Zeichenebenen zu entziffern weiß Viele Textspiele mit der Selbstbezüglichkeit digitaler Codes führt zu Texten sind nur noch für Computerkenner lesbar In einem Gedicht des amerikanischen Essayisten Alan Sondheim bedichtet sich das Textbearbeitungsprogramm mit dem es geschrieben wurde die unter Unix und Linux verbreitete Minimalsoftware vi selbst vi vi vi vi vi sor vi vi the cursor pauses cursor moves here cursor makes a path cursor says vi i m here cursor wanders makes a path cursor says this is my field vi cursor says this is my forest my mountain crag my rocky stream cur vi sor meanders makes a path cursor was here cursor paused here cursor vi was lost here here the words were saved here they moved again cursor vi left and returned cursor left and paused here cursor left here cur vi sor paused mounty crags rocky streams twisty paths cursor pauses vi here vi vi vi vi vi Die Typographie des Texts entspricht dem Bildschirmfenster von vi und seine Wörter beschreiben die Operationen der Texteingabe die Bewegungen der Textmarke die mit zum Schreiber spricht zwischendurch auch die Sicherung der Datei Da das Gedicht einen Schreibakt inszeniert der sich im Moment seines Geschehens schon selbst beschreibt konstruiert er etwas unmögliches und erweist sich als dichterische Simulation Auch Sondheims Text zeigt unterschlagenen Code auf jenen Text nämlich den jeder Computerschreiber eintippt ohne daß er in der Schrift erschiene und wie die ASCII Art ästhetisiert er den Steuercode zu avantgardistischer Poesie 2 4 2 5 Rekursion Die Eigenschaft digitaler Daten mindestens doppelt lesbar zu sein als Steuercode und als formatierte Repräsentation 10 macht sich die experimentelle Netzkunst zu Nutze indem sie beide Zeichenebenen miteinander kontaminiert rückkoppelt und verschleift Ein Prozeß der sich selbst aufruft indem er seinen Output wieder in den Input speist ist computerwissenschaftlich gesprochen eine Rekursion Rekursiv ist zum Beispiel die Erzählung des chinesischen Philosophen Chuang Tzu der träumt ein Schmetterling zu sein und nach dem Aufwachen nicht mehr weiß ob er ein Schmetterling ist der träumt Chuang Tzu zu sein 11 rekursiv ist auch das Frametale aus John Barths Lost in the Funhouse ein Möbiusband mit dem Satz ONCE UPON A TIME THERE WAS A STORY THAT BEGAN 12 rekursiv ist schließlich das Lied vom Mops in der Küche das Becketts Warten auf Godot zitiert 13 Douglas R Hofstadter weist Rekursionen unter anderem in Bachs Fugen nach 14 das modifizierte Kreter Paradox Dieser Satz ist eine Lüge ist eine logische Rekursion Trotz der Gefahr des regressus ad infinitum der Schleife ohne Ausgang ist Rekursion ist eine zulässige und verbreitete Methode in der Computerprogrammierung Ein Abschnitt eines Programms der z B ein vorgegebenes Wort um ein Fragezeichen ergänzt schließt mit einem Aufruf seiner selbst und durchläuft sich so oft bis eine bestimmte Abbruchbedingung z B drei angehängte Fragezeichen erfüllt ist Als intellektuelles Spiel waren Rekursionen besonders unter den Systemprogrammierern am Artificial Intelligence Lab des MIT beliebt die in den frühen 1970er Jahren eines der ersten Netzwerkbetriebssysteme schrieben und für sich das Wort Hacker erfanden 15 MIT Hacker übertrugen rekursive Schleifen von Programmiersprachen auf die Umgangssprache indem sie rekursive Akronyme für ihre Programme erfanden Das Textbearbeitungsprogramm EINE das als Alternative zum auf Unix Computern verbreiteten Textprogramm Emacs entworfen wurde ist eine Abkürzung von EINE Is Not Emacs 16 Da die das Akronym sich in seiner Auflösung wieder selbst enthält schreibt es sich unendlich fort EINE EINE Is Not Emacs EINE Is Not Emacs Is Not Emacs Is Not Emacs Is Not Emacs Is Not Emacs Der Nachfolger von EINE ZWEI steht für ZWEI Was EINE Initially Seine Rekursion ist daher eine doppelte und führt zu noch komplexeren Textwucherungen ZWEI ZWEI Was EINE Initially ZWEI Was EINE Initially Was EINE Is Not Emacs Initially Was Initially Was Is Not Emacs

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